Der Gesang und mit ihm das aktive Singen hat viele Facetten. Eine davon – die meditative und zutiefst religiöse Ausdrucksform – bot der Liederkranz Hohengehren am 7. Juli in seiner monatlichen Sonnabendreihe „Dabei um 3“.

Für sechs Sängerinnen und Sänger, die schon in Taizé waren, brachte das gemeinsame Singen besonders intensive Erinnerungen (Foto: Maurer)

Eigentlich wäre ein Kirchenraum mit seiner spirituellen Atmosphäre der richtige Ort für die Gesänge aus Taizé, dem in Frankreich gelegenen Männerkloster, das zum ökumenischen Treffpunkt der Jugend aus aller Welt geworden ist. Während rund 50 Teilnehmer im Bürgerhaus Hohengehren sangen, fand in Taizé zum zweiten Mal ein Wochenende christlich-islamischer Freundschaft statt.

Was fasziniert Menschen an diesen kurzen Liedern mit den prägnanten Texten? Zunächst ist es sicher die Internationalität der Gesänge aus über 50 Ländern, vom zweistimmigen Kanon bis zum vierstimmigen Chorsatz. Alle Sätze sind streng homophon, d.h. dass alle Stimmen im gleichen Rhythmus und Akkord schwingen, was das gemeinsame Fühlen und Erleben erst möglich macht. Jedes Lied, jedes noch so kurzes Stück besitzt einen harmonisch offenen Schluss, anders als man es von Kirchenliedern aus dem Gesangbuch her gewohnt ist. Denn die Lieder werden erst durch ihre häufige Wiederholung zu dem, was sie sein sollen: Meditativer Ausgangspunkt für die Einheit aus Botschaft, Stimme, Körper und Geist.

Wolfgang Layer, seit acht Jahren Chorleiter beim Liederkranz in Hohengehren und Initiator der Reihe „Dabei um 3“, übernahm mehrere Funktionen: Er führte in die Lieder ein, gab formale und musikspezifische Hinweise, war Vorsänger, studierte die einzelnen Stimmen ein, führte sie zusammen, half über eine kurze Strecke am Klavier aus, bevor er den Sängerinnen und Sängern die nötige Zeit zum sich Hineinsingen in die Lieder gab. Und wenn die „Loops“ dann immer runder und intensiver wurden, improvisierte er Solostimmen dazu – eine Praxis, die in Taizé von Soloinstrumenten wie z.B. Flöte oder Oboe geleistet wird.

Zwischendurch führte Layer kurze Interviews mit denen, die selbst schon in Taizé gewesen sind, allen voran Kriemhilde und Walter Stürzl, die über den Alltag in Taizé berichteten, von der nächtlichen Ankunft bis zur Wochenend-Liturgie. Abschließend zeigten beide noch eigene Bilder aus Taizé und verstärkten dadurch den gewonnenen Eindruck.

Wer hätte gedacht, dass an einem von der Sonne verwöhnten Sommersamstagnachmittag bei gleichzeitigem WM-Fußballspiel im Fernsehen 50 Menschen es vorzogen, zwei Stunden miteinander zu singen?