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Mit einem großen Konzert hat der Liederkranz Hohengehren am Samstag, 11. Juni 2016, im Kulturzentrum Baltmannsweiler seine Veranstaltungen im Rahmen des 175-Jahre-Jubiläums fortgesetzt. Neben den von Wolfgang Layer dirigierten zwei eigenen Chören, dem durch Sänger aus Baltmannsweiler verstärkten Männerchor und dem jungen Chor „Joy of Music“, standen außerdem der Frauen- und der Gemischte Chor der Concordia Wäldenbronn, beide dirigiert von Sabine Layer, auf der Bühne. Als Besonderheit wurden die Auftritte von der Schauspielerin Susanne Weckerle sehr amüsant und kurzweilig moderiert und von den beiden Tänzerinnen Florine Brand und Julia Zavt choreografisch begleitet.

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Das gab es in Baltmannsweiler noch nie. Auf der Bühne, auf der sonst nach strengen Regeln Sport, Musik und Tanz dargeboten werden, stand ein rotes Sofa, auf dem sich in dekorativer Abendrobe eine Frau räkelte und vom Tanz zweier Elfen immer wieder in einen traumtiefen Schlaf versetzt wurde. Susanne Weckerle (Bild oben) träumte von alten Zeiten, in denen in nationaler Begeisterung überall im Land und ganz früh, nämlich schon 1841 in Hohengehren ein Singverein entstand, der schon im darauf folgenden Jahr zu Ehren des württembergischen Königs Wilhelm I. beim Denkmal auf dem Goldboden einen großen öffentlichen Auftritt hatte und sich den Namen Liederkranz gab. Ach, könnten doch solche Zeiten wiederkehren.

Mit ihren von viel Beifall bedachten Liedern erweckten die Sängerinnen und Sänger des Liederkranz und des Gastvereins aus Wäldenbronn nicht nur den Traum von jener Zeit zum Leben, sondern zeigten auch, wie modern und perfekt Chorgesang klingen kann. Der Traum vom perfekten Chor, den der Liederkranz als Konzertmotto gewählt hatte, wurde in vielfacher Weise klangvolle Wirklichkeit.

Wie modern und fetzig Chormusik sein kann, zeigte der zur Jahrtausendwende gegründete junge Chor des Liederkranz „Joy of Music“ mit dem in der schwedischen Originalfassung einfühlsam vorgetragenen „Gabriellas Song“, den englischsprachigen Titeln „Top of the world“, „Can you feel the love tonight“ aus „König der Löwen“, „Hallelujah“ von Leonard Cohen und dem altbekannten ABBA-Song „Thank you for the music“.

Mit dem sehnsuchtsvollen eher unter seiner Anfangszeile „Am Brunnen vor dem Tore“ bekannten „Lindenbaum“, dem wuchtigen „Jägerchor“, den Udo Jürgens-Liedern „Griechischer Wein“ und „Ihr von morgen“, dem Wilhelm Busch entlehnten „Es sitzt ein Vogel auf dem Leim“, der tiefgründigen Ballade „Weit, weit weg“ und zuletzt dem Liebeslied „Es löscht das Meer die Sonne aus“, gelang es Chorleiter Wolfgang Layer, die Stärken eines Männerchores eindrucksvoll herauszustellen.

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Auch im Esslinger Stadtteil Wäldenbronn lebt man den Traum vom perfekten Chor. Der Frauenchor der Concordia verdiente durchaus das Prädikat „perfekt“. Mit der Mischung aus den Volksliedern „Dat du min Leevsten büst“, „Sah ein Knab´ ein Röslein stehn“ und „Oh du stille Zeit“ sowie den neuzeitlichen Titeln „Heaven is a wonderful place“ und “Make of our hands one hand“ hat Sabine Layer die Träumerin auf dem Sofa in eine schöne Wirklichkeit versetzt. Mit dem Gemischten Chor wurden von der Concordia die Schlager der sechziger und späteren Jahre zurückgeholt. Manche der Zuhörer fühlten sich mit „Wenn der weiße Flieder wieder blüht“, dem „Solange man Träume noch leben kann“ und “Mir geht´s gut“ an ihre Jugend erinnert.

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Mit ihrer Verbindung aus launiger, dabei aber tiefgründiger Sofaplauderei, den Tanzdarbietungen der beiden Elfen Florine Brand und Julia Zavt (Bild) und dem Gesang der vier Chöre hat Sabine Layer für dieses Konzert ein neues, von den knapp 300 Besuchern hervorragend bewertetes und mit Sonderbeifall gelobtes Konzept entwickelt, das sicher Nachahmer findet. Das Ehepaar Layer und ihre Chöre hätten es verdient, dass sich neue Sängerinnen und Sänger aufgefordert fühlen, dem, wie es im Abschlusskanon hieß, perfekten Chor durch ihre Mitwirkung eine Stimme und ein Gesicht zu geben.

–rer

Fotos: Heinrich Maurer

 

Für alle, die das Konzert versäumt haben oder es noch einmal hören wollen:

Eine weitere Aufführung erfolgt am Samstag, 16. Juli 2016, in Esslingen, Evangelisches Gemeindehaus am Blarerplatz. Beginn 18:00 Uhr, Eintritt 12 Euro