Foto: Liederkranz Hohengehren, Hans Moritz Eberhard

Ein sommerlich sonniger Samstagnachmittag im Mai – mit Sicherheit kein idealer Termin für ein gemeinsames Singen im Saal des Bürgerhauses Hohengehren, oder doch? Der Liederkranz Hohengehren als Veranstalter durfte sich eines Besseren belehren lassen. In Chorstärke waren rund 30 Personen gekommen, um gemeinsam zu singen. „Einfach nur singen!“, wie eine Teilnehmerin es auf den Punkt brachte. Denn keine andere Jahreszeit bietet so viele Lieder an wie der Frühling und der Monat Mai. Ein Teil davon gehört noch heute zum Liederkanon der Schulen in Baden-Württemberg, so das Lieblingslied vieler Grundschulkinder: „Alle Vögel sind schon da“, „Der Mai ist gekommen“, „Es geht eine helle Flöte“ und Wolfgang Amadeus Mozarts unsterblicher Evergreen „Komm, lieber Mai“.

Aber nicht nur die Klassiker waren interessant. Auch nicht so bekannte Frühlingslieder fielen auf nicht weniger Interesse. Wolfgang Layer hatte hierfür ein Textheft zusammengestellt mit allen Angaben zur Herkunft der Lieder, zu den Komponisten und Textdichtern. Was für die Teilnehmer neu war, wurde ganz einfach so lange geprobt, bis es alle singen konnten. Und wenn eine Tonart zu hoch schien, begleitete Wolfgang Layer eben ein oder zwei Töne tiefer. Nur bei einem Frühjahrslied aus dem österreichischen Pinzgau fühlte sogar er sich überfordert, als sich der „grudelnde Hahn“ in der 2. Strophe partout nicht in die Viertel und Achtel der Melodie einfügen wollte.

Immer wieder tauchten interessante historische Bezüge auf: Beispielsweise der junge Mann im niederländischen Volkslied „Der Winter ist vergangen“ aus dem 16. Jahrhundert, der seine Liebste verlassen muss, weil der Wächter auf den Zinnen bereits die Sperrstunde ankündigt, also die Stunde, in der die Stadttore gesperrt werden. Zum Schmunzeln verleiten manche Textänderungen bzw. inhaltliche Begradigungen von Texten wie z.B. im Mozartlied „Komm, lieber Mai“. Die originale 3. Strophe ist uns heute angesichts der Überdüngungsproblematik schon wieder viel näher. Da heißt es: „Jetzt muss mein Steckenpferdchen dort in dem Winkel stehn, denn draußen in dem Gärtchen kann man vor Kot nicht gehn.“

Abgerundet wurde das gemeinsame Singen der Frühlings- und Maienliedern durch Gedichte von Goethe, Uhland, Mörike, Rilke u.v.a.

Nächstes SINGEN FÜR ALLE ist am 7. Juli 2018. Da geht es um Lieder aus Taizé.

Bereits am 9. Juni 2018 dürfen alle, die gerne mal ihre Lieblingsarie, ihr Lieblingslied oder ihren Lieblingsschlager mit Begleitung und vor einem tollen Publikum singen wollen, um 15 Uhr ins Bürgerhaus kommen. Dann heißt es: SIE SINGEN, WIR BEGLEITEN SIE. -gr