Hier wird nicht mit dem Strohhalm getrunken. Vielmehr erklärt Sabine Layer (rechts) die Anwendung der verblüffend einfachen Lax Vox-Übung zur Pflege der Stimme. (Foto: H. Maurer)

Es gibt keine zwei gleichen Stimmen auf der Welt. Die Stimme eines Menschen ist kein Zufall. Stimme und Persönlichkeit sind eng miteinander verbunden. Das war eines der zentralen Themen des ganztägigen Seminars, das der Liederkranz Hohengehren am 10. März im Bürgerhaus durchgeführt hat. Referenten waren Sabine und Wolfgang Layer.

Schon zu Beginn füllte sich der Seminarraum mit den ersten 25 Interessierten, die bis aus Laufen a.N. angereist waren. Sabine Layer gab Gesangsunterricht und Stimmbildung (solistisch und in Gruppen) im Musikraum der Grundschule nebenan, außerdem eine Einführung in die sog. Lax Vox-Methode (Marketta Shivo), eine einfache Übung zur Entspannung, Heilung und Schulung der Stimme. Nahezu alle Seminarteilnehmer nahmen diese Angebote im Laufe des Tages wahr.

Im Saal des Bürgerhauses bot Wolfgang Layer in insgesamt sechs Referaten – jeweils zur halben Stunde – einen Überblick über grundlegende Aspekte der Stimme und des Singens. Die Themen der Referate waren selbst erklärend wie: „Stimme und Persönlichkeit“, „Anatomie der Stimme und des Atemapparates“, „Intonation und Tonsysteme im Wandel der Zeit“, „Die Vertreibung der Stille – akustische Umweltverschmutzung“, „Auf der Spur nach der eigenen Stimme“ und „Kinder singen, wenn Eltern singen“.

Die Zeit zwischen den Referaten galt der Praxis, also dem Singen selbst. Welche Lieder Wolfgang Layer erarbeiten sollte, wurde von den Seminarteilnehmern ausgewählt. Einmal stand die chorische Stimmbildung im Mittelpunkt, ein anderes Mal die Barbershop-Improvisationspraxis. D.h. ohne Noten wurde ein dreistimmiger Chorsatz entwickelt und gesungen. Ein weiteres Mal ging es um formale Aspekte, also den Aufbau und die Dramaturgie eines Liedes, stets im Zusammenhang mit stimmtechnischen Hilfen und Tipps; denn der jahrzehntelange Marketingspruch der Laienchorverbände „Singen kann jeder“ führt in die falsche Richtung. Richtig muss es heißen: Eine Stimme hat jeder! Mit dieser Stimme klangvolle Musik zu machen – ob Klassik, Pop oder Jazz – verlangt den gleichen Trainingsaufwand wie bei Pianisten, Bläsern, Streichern etc.

Auf besonderes Interesse fielen die stimmphysiologischen Forschungsergebnisse von Prof. Dr. Michael Fuchs aus Leipzig, mit dem Wolfgang Layer publizistisch einige Jahre zusammengearbeitet hat. Ein markantes Beispiel für die Leser dieses Berichts: Frauen sprechen heute um 50 Hz tiefer als noch vor 20 Jahren. Kennen Sie den Grund? Es ist die Emanzipation der Frau. Tiefer klingt kompetenter!

Aber auch tieferes Sprechen schützt nicht vor den ganz normalen Ermüdungserscheinungen der Stimme im Alter. Wenn die Stimme dünn und brüchig wird, muss das kein Ende fürs (Chor)Singen bedeuten. Sabine Layer demonstrierte, wie die richtige Art zu atmen und der gezielte Umgang mit kurzen Tonfolgen zurück zum kraftvollen Singen führen können – regelmäßiges Üben vorausgesetzt. (-gr)