Wegen Corona weitere Monate ohne Chorprobe? Das kommt für den Liederkranz nicht mehr in Frage. Deshalb proben, man kann auch sagen probieren, die Chöre jetzt eine virtuelle Singstunde. Ein geeignetes Computerprogramm, eine Software, die die technischen Möglichkeiten bietet, war schnell gefunden. Schnell war aber auch klar, dass man sich zwar sieht, aber doch nicht gemeinsam singen kann. Der Zeitversatz und die Rückkopplungen bei der Bild- und Tonübertragung lässt keinen synchron klingenden Chorgesang zu.

Eine digitale Chorprobe, ohne gemeinsamen Chorklang kann trotzdem funktionieren. Erste Ansätze der virtuell durchgeführten Chorproben zeigen das. Die Chorleiterin spielt und singt die Liedpassagen in der jeweiligen Stimme vor. Die Sängerinnen und Sänger hören das und singen es nach, aber nur für sich alleine. Weil alle Teilnehmer ihr Mikrofon beim Singen abgeschaltet haben, hören sie vor dem Bildschirm nur ihre eigene Stimme. Wenn die anderen Chormitglieder ebenfalls singen sieht man das zwar, aber man hört es nicht. Jede und jeder singt für sich alleine. Auch das Feedback der Chorleiterin fehlt. Sie hört die Sängerinnen und Sänger nicht. Aber sie kann Melodie, Harmonien, Abläufe und Texte vermitteln.  Für die mündliche Kommunikation können die Mikrofone natürlich eingeschaltet werden.

Klar, das ist alles sehr gewöhnungsbedürftig, aber trotzdem erfreulich, dass viele dabei sind und mitmachen. Es macht Spaß auf dem Bildschirm bekannte Gesichter zu sehen. Und wenn dann die virtuelle Chorprobe in einen „virtuellen Stammtisch“ mündet, kann man sich austauschen, Neuigkeiten erzählen und vielleicht auch virtuell mit einem Glas Wein anstoßen. Nur schade, dass nicht alle dabei sind. Manchen fehlt die technische Ausrüstung, andere fühlen sich unsicher und technisch nicht versiert genug. Auch wenn solche Online-Proben bei weitem kein Ersatz für normale Singstunden sein können, so sind sie doch allemal besser, als gar nichts zu unternehmen.

Das vergangene Jahr war für die Sängerinnen und Sänger bitter genug. Nur bis Mitte März waren normale Chorproben möglich. Dann kam die Pandemie mit Stillstand aller Aktivitäten bis Anfang Juli. Nach einigen Lockerungen waren dann ein paar Chorproben im Freien möglich. Nach den Sommerferien waren sogar wieder Proben im Bürgerhaus, allerdings unter strengsten Hygienevorschriften, erlaubt. Aber seit Mitte Oktober herrscht wieder der totale Stillstand, deshalb jetzt die virtuelle Singstunde.

Der ganze Liederkranz, die Sängerinnen und Sänger und alle Mitglieder und Freunde hoffen, dass es trotz Corona bald Lockerungen geben kann, die wieder einen einigermaßen normalen Probeablauf ermöglichen und der Liederkranz wieder zu seinem aktiven Vereinsleben zurückfinden kann.