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Mit seiner Konzert-Ankündigung hatte der Liederkranz Hohengehren nicht zu viel versprochen. Der Heidelberger Frauenchor „4×4“ (im Bild oben) brachte die Besucher beim Frühlingskonzert am Samstag, 9. Mai 2015, tatsächlich zum Jubeln.

Die Studentinnen der Pädagogischen Hochschule bestätigten bei ihrem Gastauftritt unter ihrer Dirigentin Heike Kiefner-Jesatko ihre Spitzenstellung unter den deutschen und europäischen Frauenchören. Doch auch die drei eigenen Formationen aus dem Liederkranz, der Männerchor, der Junge Chor „Joy of Music“ und das erst vor einem halben Jahr gegründete „Vokalensemble HG“ holten sich unter Chorleiter Wolfgang Layer viel Beifall.

Mit einem der schönsten romantischen Frühlingslieder, dem „Frühlingsglauben“ von Friedrich Silcher, eröffnete der Männerchor das Konzert. Zur Kirchenmusik der Renaissance gehört das anschließende, sehr fein gesungene „Benedicam Dominum“ von Giovanni Croce. 111 Jahre nach dem Tod dieses venezianischen Kapellmeisters und Komponisten schrieb Johann Sebastian Bach seine berühmte „Invention Nr. 1“ für Tasteninstrumente. Wolfgang Layer inszenierte sie als Dialog zwischen Tenören und Bässen im Stil der legendären Swingle Singers, mit wenigen Tonsilben auf perlenden Achtel- und Sechzehntelnoten gesungen. Am Klavier begleitete Sabine Layer. Franz Schuberts „Lindenbaum“ brachte die Zuhörer zurück zur Männerchorliteratur und zu dem, was man heute „Kultsongs“ zu nennen pflegt. Zu dieser Kategorie gehört auch Hubert von Goiserns Ballade „Weit, weit weg“. Zum Schluss des Männerchorauftritts gab es musikalische Blumen am Vorabend zum Muttertag mit Udo Jürgens ironischem Lied für alle notorischen Pechvögel dieser Welt: „Vielen Dank für die Blumen.“

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Bild: Der Männerchor

Richtig fetzig und frühlingshaft wurde das Programm mit dem Auftritt des Jungen Chors „Joy of Music“. Dafür sorgten der Evergreen „Wenn ich vergnügt bin, muss ich singen“ von Peter Igelhoff, Sophie Madeleines Hymne für alle pubertierenden Mädchen „You make me happy“, und schließlich Uli Führes Text- und Musik-Portrait der aktuellen Jahreszeit „Frühling“. Vor 50 Jahren komponiert und ein Welterfolg wurde der Lovesong „Sunny“ des amerikanischen Jazzgitarristen und Sänger Bobby Hebb, den Joy of Music meisterlich auf die Bühne des Kulturzentrums brachte. Mit dem von Bart Howard komponierten und von Chorleiter Layer arrangierten „Fly me to the moon“ entführte der Junge Chor die Zuhörer zum Mond und zum Frühling auf den Planeten Jupiter und Mars, am Klavier wieder souverän begleitet von Sabine Layer.

Es ist erstaunlich, welche hohe Gesangsqualität das vor 8 Monaten gegründete Vokalensemble HG bei seinem ersten Konzertauftritt bereits vorweisen konnte. In seinem Programm war – wie beim Männerchor – Stilvielfalt gefragt. Mit „Audite silete“ von Michael Prätorius, Elvis Presleys „Love me tender“, dem alpenländischen Jodeldreigsang „A Liadl für di“, dem zart gesungenen „Erlaube mit feins Mädchen“ von Johannes Brahms, Thomas Morleys Madrigal „Nun strahlt der Mai den Herzen“ sowie „Odi et amo“, dem berühmten Gedicht des römischen Dichters Catull, vertont von Carl Orff in seinen „Catulli Carmina“, wurden die gesetzten Ansprüche in hohem Maße erfüllt.

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Bild: Das Vokalensemble HG

Was die Kombination von sängerischer Qualität, maßvoll eingesetzten choreographischen Elementen und konzentrierter Gruppendynamik an höchster musikalischer Leistung möglich macht, das bewiesen die 18 Studentinnen der Pädagogischen Hochschule Heidelberg mit ihrem Frauenchor „4×4“. Schon beim ersten Lied, dem Volkslied „Zum Tanze da geht ein Mädchen mit güldenem Band“, gab es Beifallsstürme. Entsprechend seiner schwedischen Herkunft wurde es im Original gesungen und der Inhalt mit eindringlichen Bewegungselementen umgesetzt. Die folgenden beiden Chorsätze aus dem Zyklus „Drei Gesänge für Frauenchor“ von Max Reger, das Terzett „Hebe deine Augen auf“ aus Mendelssohn Bartholdys Oratorium „Elias“, und das zeitgenössische Kirchenlied „Virita Criosa“ von Thomas Jennefelt demonstrierten zusätzlich zur künstlerischen Leistung sängerische Atemtechnik auf einer Stufe, auf der einem sprichwörtlich „der Atem weg blieb“. Der Applaus steigerte sich noch einmal beim Volkslied „Da unten im Tale“ von Johannes Brahms.

„Rock-a-bye baby“ von Michele Weir vollzog einen Stilwechsel in die populäre Chormusik unserer Tage mit raffiniertesten Modulationen. Was kraftvolle Frauen von langweiligen Männer halten, zeigten die Sängerinnen zum Schluss mit dem finnischen Lied „Käppee“, das auch ohne finnische Sprachkenntnisse von allen verstanden wurde. Als entzückende Zugabe erwies sie dem „Genius loci“, dem nur wenige Kilometer entfernt in Schnait geborenen Friedrich Silcher ihre Reverenz mit dessen Lied „Vögele im Tannenwald“. Standing ovations, endloser Beifall für den Chor und eine exzellente, präzise, in allen Aspekten überzeugende Chorleiterin.

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Bild: Der Abschluss mit allen Chören

Die beiden Liederkranz-Vorstände Jürgen Koch und Wolfgang Digel bedankten sich bei den Interpreten, der Chorleiterin Heike Kiefer-Jesatko, dem Chorleiter Wolfgang Layer, seiner Frau Sabine als Pianistin und Moderatorin sowie beim scheidenden Bürgermeister Martin König für 16 Jahre Unterstützung des Liederkranz. Danach bereiteten alle vier Chöre mit dem gemeinsam gesungenen Kanon „Calypso“ und dem Abendlied „Nun ruhen alle Wälder“ den über 400 Besuchern einen stimmungsvollen Abschied. Mit diesem Frühlingskonzert hat der Liederkranz Hohengehren im Kulturzentrum Baltmannsweiler neue, hohe Maßstäbe gesetzt.

-rer

 Alle Fotos: Maurer